Paderborner Dom bleibt kalt

Paderborn WV Der Hohe Dom soll vorerst nicht beheizt werden. Das hat nach Worten von Dompropst Joachim Göbel das Kapitel nach entsprechender Beratung einmütig beschlossen. Weder zu Gottesdiensten noch zu Pontifikalämtern oder Konzerten soll die Bischofskirche erwärmt werden.

Mit dieser Entscheidung nimmt das Domkapitel eine Vorreiterrolle ein. Ob dem Beispiel andere folgen werden, ist noch unklar. Auf jeden Fall ist eine Debatte in Gang gesetzt worden, bestätigte Göbel. In manchen Gemeinden gibt es nach Auskunft des Dompropstes angesichts der explodierenden Energiepreise erste Überlegungen, Kirchen zu schließen und die Gottesdienste in Pfarrheime zu verlegen, berichtete er. In anderen Pastoralverbünden werde diskutiert, zwei von drei Kirchen zu schließen, um die dritte als „Winterkirche“ zu nutzen.

„Das Domkapitel, dem ich selbst angehöre, hat vorgelegt. Die Kirchenvorstände werden sich in den nächsten zwei bis drei Wochen über verschiedene Varianten beraten. Entscheidungen stehen derzeit aber noch aus“, erklärte Dechant Benedikt Fischer auf Anfrage dieser Zeitung.

Dompropst Monsignore Joachim Göbel stellte am Dienstag klar, dass von einer Schließung der Bischofskirche derzeit keine Rede sei. Das Domkapitel habe sich in seiner Sitzung mit den Architekten beraten, die für die Kirchen im Bistum verantwortlich sind. Dabei sei es auch um die Frage gegangen, wie möglicherweise Schäden von Mobiliar und Kunstgegenständen abgewendet werden könnten. Dabei sei herausgekommen, dass Temperaturschwankungen deutlich schädlich seien, als eine Kirche, die nach und nach auskühle.

Die Orgel im Dom zum Beispiel vertrage die Kälte gut. Generell sei weniger die Raumtemperatur als die Luftfeuchtigkeit entscheidend. Sie sollte nicht weniger als 40 und nicht mehr als 70 Prozent betragen, sagte Göbel. Schon jetzt gibt es im Dom unter anderem wegen der Kunstgegenstände feste Messpunkte.

Göbel: „Die Entscheidung, die Heizung im Dom zu deaktivieren, bleibt so lange bestehen, bis die Temperatur im Innenraum unter 5 Grad sinkt. Dann wird man – abhängig von der Luftfeuchtigkeit im Raum – neu überlegen müssen.“ Er gehe allerdings nicht davon aus, dass „das Weihwasser im Dom gefrieren“ werde. Bis November, so die Erfahrung, sei die Temperatur im Dom immer höher als die Außentemperatur.

Beheizt werde der Dom im Winter unter normalen Bedingungen bis maximal 14 oder 15 Grad. Das habe aber angesichts des großen Kirchenschiffes aber seinen Preis. Nach Angaben des Dompropstes betragen die Heizkosten für Dom und Kaiserpfalz pro Jahr zwischen 35.000 bis 40.000 Euro. Eine Veracht- oder gar Verzehnfachung des Energiepreises sei nicht vertretbar.

Immerhin werde es für Organisten einen Infrarotstrahler geben, weil die sich für mehrere Stunden im Dom aufhalten und zum Spielen bewegliche Finger benötigen. Der Dompropst rät aber allen anderen Besuchern, sich „entsprechend warm zu kleiden oder eine Decke mitzubringen“.

Der Dompropst geht davon aus, dass unter den erschwerten Bedingungen weniger Besucher in die Gottesdienste kommen werden. „Das ist im Winter aber häufiger der Fall. Gerade für ältere Menschen ist es anstrengend, bei fünf Grad eine Stunde in der Kirche zu sitzen“, zeigt er Verständnis.

Text: Ingo Schmitz

Foto: Oliver Schwabe